Sparkassen positionieren sich neu

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Das in seiner Form weltweit einzigartige deutsche Sparkassenwesen steht unter enormen Herausforderungen. Die Regulatorik, Digitalisierung und Intensivierung des Wettbewerbs stehen hierbei stellvertretend für den Strukturwandel in der Kreditwirtschaft bzw. den Wandel in der Geschäftstätigkeit und dem geschäftlichen Umfeld der Sparkassen. Dieser Strukturwandel zeigt sich bspw. durch den zunehmenden Wettbewerb der jeweiligen Kreditinstitutsgruppen untereinander und einer massiven Veränderung in den Ertragsstrukturen. Dieser tief greifende Wandel führt dazu, dass die traditionellen Strukturen im Sparkassensektor überprüft werden müssen und an die neuen Prämissen anzupassen sind. Hinzu kommt, dass Online-Banken Produkte anbieten, ohne ein kostenintensives Zweigstellennetz vorhalten zu müssen, was wiederum einen erheblichen Wettbewerbsdruck auf die Sparkassen ausübt. Dazu kommen weitere Herausforderungen die sich aus der aktuellen Niedrigzinsphase ergeben.

Prognosen zufolge sollen bis zum Jahr 2025 von den derzeit 396 Sparkassen (Stand: Januar 2017) nur noch etwa 300 Sparkassen übrig bleiben. Dabei ist jedoch kritisch anzumerken, dass die politischen Entscheidungskriterien – die u. a. bei Sparkassen-Fusionen von großer Bedeutung sind – erheblich unterschätzt werden. Diese Prognosen basieren größtenteils auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Dass ein (regionales) Beharrungsvermögen seitens der beteiligten Akteure besteht, wird vollkommen vernachlässigt.

Die vorstehenden Ausführungen verdeutlichen das Spannungsfeld, in denen sich die Institute seit Jahren bewegen. Die Folgen die sich daraus für das kundennahe, regionale Sparkassengeschäft ergeben, werden so massiv sein, dass die Sparkassen ihre strategischen Positionierungen in den kommenden Jahren konsequent überdenken müssen. Dabei nimmt vor allem das Firmenkundengeschäft eine bedeutende Rolle ein. Denn nach wie vor und unabhängig von der Sparkassengröße, stellt das Firmenkundengeschäft die größte Ertragsquelle dar. Dieser Geschäftsbereich ist sehr wettbewerbsintensiv und wird von allen Kreditinstitutsgruppen sowie zunehmend auch von FinTech-Unternehmen, massiv umworben.

Wie gelingt es nunmehr den Sparkassen mit den kreditwirtschaftlichen Herausforderungen umzugehen und gleichzeitig das Firmenkundengeschäft strategisch neu zu positionieren?

Um diese Fragen zu beantworten muss ein Bewusstsein darüber entstehen, dass für die Umsetzung einer neuen strategischen Positionierung der Sparkassen im Firmenkundengeschäft, nicht nur ein ökonomisches, sondern vor allem ein (sparkassen-)politisches Verständnis unerlässlich ist. Denn um zu verstehen, wie verschiedenartig die oben aufgeführten Herausforderungen auf das Sparkassenwesen wirken, ist ein ausreichendes Wissen über die Tradition und die Geschichte der Sparkassen unverzichtbar.

Tradition und Geschichte der Sparkassen, haben sowohl auf die ökonomische als auch auf die strategische Positionierung der Sparkassen bis heute einen besonderen Einfluss. Zahlreiche Argumente in den aktuell geführten Diskussionen betreffend die Regulierung, nehmen Bezug auf die historischen Entwicklungen. Allerdings fehlt dies bei strategischen Fragestellungen. Dabei ist gerade das politökonomische Verständnis von herausragender Bedeutung. Unter Berücksichtigung der Geschichte der Sparkassen wird deutlich, dass die Sparkassen einerseits vor einer rechtlichen und andererseits vor einer ökonomischen Grenze stehen, die den Wesensunterschied zwischen ihnen und den privaten Banken ausmacht. Die Fragen, wie die Kosten gleich welcher Geschäftsarten zukünftig abgesichert werden oder ob und inwieweit die Sparkassen den gemeinnützigen Bereich mit Erträgen aus Tätigkeiten unterstützen dürfen, die ihrem Auftrag und ihrem Wesen eher fremd sind, spielen in der heutigen Sichtweise eine wesentliche Rolle. Das Regionalprinzip, das die Sparkassen daran hindert, dass in der Region erwirtschaftete Kapital in Kredite in anderen Regionen zu investieren, unterstützt eine ausgeglichene regionale Entwicklung. Es stellt eine flächendeckende finanzielle Infrastruktur sicher. Des Weiteren haben die Sparkassen durch die regionalen Bindungen ein direktes Interesse an ihrer Region und engagieren sich im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich. Auch in der politischen Praxis zeigt sich, dass der öffentliche Auftrag der Sparkassen eine wichtige Funktion für die kreditwirtschaftliche Versorgung der mittelständischen Wirtschaft, der einkommensschwächeren Haushalte, der Randregionen sowie der strukturschwachen Stadtteile einnimmt.

De facto kann festgestellt werden, dass die Sparkassen in der Vergangenheit wesentlich stärker im Kreditgeschäft mit den kleinen und mittleren Unternehmen engagiert waren als andere Banken. Insbesondere für diese Unternehmen ist die regionale Präsenz der Sparkassen entscheidender als die Digitalisierung. Das soll nicht heißen, dass die Sparkassen den Auf- und Ausbau bspw. neuer Online-Service-Leistungen für Firmenkunden vernachlässigen sollen, im Gegenteil, eine präzise Prüfung ist zwingend erforderlich. Gerade auch vor dem Hintergrund, da die regionale Verteilung des Ertragspotenzials im Firmenkundengeschäft im Sparkassensektor höchst unterschiedlich ist und mit einer konsequenten Umsetzung weitere Erträge erwirtschaftet werden können.

Aktuell ist zu beobachten, dass das klassische Firmenkundengeschäft wie z. B. die Bereitstellung von Darlehen für Betriebsmittelkredite auf Grund der Regulierungsvorgaben weniger interessant erscheinen und infolgedessen verstärkt eigenkapitalschonendere Geschäfte getätigt werden. Es ist festzustellen, dass sich (große) mittelständische Unternehmen verstärkt mit der Frage nach alternativen Finanzierungsformen über den Kapitalmarkt auseinandersetzen. Diese Entwicklungen lassen vermuten, dass das Firmenkundengeschäft zukünftig stärker kapitalmarktorientiert geprägt und das die individuelle Beratungs- und Betreuungskompetenz zunehmen wird. Demzufolge ist die Ergänzung des klassischen kreditbasierten Angebots um zielgruppenspezifische Beratungs- und Betreuungsangebote für die Sparkassen notwendig.

Des Weiteren scheint es sinnvoll zu sein, eine Differenzierung nach Kundentypen, welche sich an den Umsatzgrößen der Firmenkunden ausrichten, vorzunehmen. Dabei ist es einerseits von großer Bedeutung die Bedürfnisse und Erwartungen der Firmenkunden zu erfassen und andererseits diese systematisch – unter Berücksichtigung v. a. der Unternehmensbranche und deren Charakteristika – auszuwerten, um darauf aufbauend eine individuelle Beratung und Betreuung mit entsprechenden Produkten anbieten zu können.

Dieser Prozess, weg von dem klassischen Firmenkundengeschäft, hin zu einer verstärkten Nachfrage nach beratungsintensiven Produkten, führt zu Produkt- und Dienstleistungsformen, die von den Sparkassen noch stärker angeboten werden sollten. Im Mittelpunkt der Beratung und Betreuung sollten demzufolge nicht nur isolierte Standardprodukte stehen, sondern bedarfsgerechte Produkte und ganzheitliche Problemlösungsansätze die die Unternehmensstrategie der jeweiligen Firmenkunden berücksichtigen. Somit werden die Sparkassen den regional verankerten Gewerbekunden genauso gerecht, wie den überregional tätigen Unternehmen. Ausgehend von dem beschriebenen Wandel, wird damit die Kompetenz zur gezielten hochqualitativen Beratung und Betreuung der Firmenkunden zum strategischen Erfolgsfaktor für die Sparkassen in der Zukunft.

Veröffentlicht am 26.06.2017 in der SparkassenZeitung

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